Monterosagruppe (Schweiz)

sdc10356.jpgKlingende Namen: Lyskamm, Dufourspitze, Nordend und einige andere Gipfel in dieser Runde. Das waren unsere Ziele für August 2008. Bei etwas unsicherem Wetter drei große Gipfel inklusive Biwakspaß.

Anforderungen:
Die Grate sind schmal und selbst bei Idealbedingungen, die wir fast hatten, anspruchsvoll. Wer im Fels konsequent “lang” sichert, verliert unendlich viel Zeit. Die Gletscher sind wild zerrissen. Es bringt hier nichts zu sagen 3. Grad oder 50 Grad steil. Die Gesamtanforderung macht die Sache anspruchsvoll. Von richtig schlechtem Wetter lässt man sich hier besser nicht erwischen.

Allgemeines:
Über Zermatt und Station Rotenboden vorbei an der Monterosahütte bis auf ca. 3200 Meter. Ein erstklassiger Biwakplatz unter einem Riesenblock (mit eingebohrten Bouldern) ist unser Platz für die Nacht. Die Idee, frühmorgens den Grenzgletscher zu queren um eine Lyskammüberschreitung zu versuchen verwerfen wir schnell, als wir den Gletscher sehen. 

Tag 1:
Der Aufstieg über den Grenzgletscher ins Lysjoch ist bei Dunkelheit auch schon ein nettes Unterfangen. Auf dieser Seite sind wir alleine unterwegs. Die Karawane der Monterosahütte geht auf dem Normalweg zur Dufourspitze. Der Gletscherbruch ist heikel und ohne Spur kostet er uns viel Zeit. Die Dimensionen sind gewaltig. Vom Lysjoch über den sehr schmalen Grat bei besten Verhältnissen zum Gipfel des Lyskamm und Abstieg zum Balmhorn. Wir hoffen dort auf ~ 4200 Meter einen freien Platz zu finden, da das Wetter wechselt. Aus Gewichtsgründen haben wir nur einen Schlafsack und eine Daunenjacke eingesteckt. Wir haben Glück und finden einen Platz im Balmhornbiwak.

Tag 2:
Das Wetter hat gewechselt. Nebel und Schneefall. Die Nacht war OK. Ein italienischer Bergkamerad hatte weniger Glück, dafür extreme Kopfschmerzen und kein Auge zugetan. Wir gehen los Richtung Signalkuppe und entscheiden uns, die Margherita Hütte anzusteuern, da die Sicht gegen Null geht. Nur die Kenntnisse des Gebietes von Daniel lassen uns dort gegen 5:00 ankommen. Der Wirt staunt und spendiert Tee, den wir dankbar nehmen. Mit dem ersten Tageslicht versuchen wir unser Glück, während viele Seilschaften absteigen oder in der Hütte bleiben. Die Zumsteinspitze erreichen wir schnell aber im Nebel. Der Weiterweg zur Dufourspitze über das Grenzjoch ist schmal und raubt uns den Schneid: Wir kehren um. Nach einer kurzen Aufhellung am Gipfel der Zumsteinspitze zurück, entscheiden wir uns abermals für einen Richtungswechsel. Wir gehen nun sehr schnell und sicher und erreichen die ersten Felsen des Grates, der von der Dufourspitze herabzieht. Das Gelände ist unser Ding und wir kommen am kurzen Seil sehr schnell voran. Zu viert am Gipfel ist der Lohn für die Mühe. Das Wetter wieder besser, entscheiden wir uns, das Nordend noch anzuhängen. Es gibt ein Fixseil zum Silbersattel, das zwar halb unter Firn liegt aber uns dennoch in 30 Minuten zum Silbersattel bringt. Das Nordend kostet uns nochmals eine Stunde und bringt uns gewaltige Einblicke in die Monterosa Ostwand und das Marinelli Couloir. Der Abstieg über den Monterosagletscher zum Materialdepot ist endlos und der Gegenanstieg zum Rotenboden kostet uns die letzte Motivation. Das Ergebnis der 2 Tage: Lyskamm, Balmhorn, Signalkuppe, Zumsteinspitze, Dufourspitze und Nordend.

Literatur:

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