Piz Bernina, Piz Zupo, Engadin (Schweiz)
Für Daniel der 5. Versuch und für mich der 3. Versuch. Das Wetter hat uns noch nie auch nur in die Nähe der Bernina kommen lassen. Bisher endeten alle Versuche beim Sportklettern im Val Bregaglia oder unter einer Brücke für die nächste, trockene, Nacht. Im Juli 2008 hatten wir Glück und die Bernina empfing uns auf ihrem erlauchten Haupt.
Allgemeines:
Anreise über die Rheintalautobahn und den Julierpass in das Engadin. Der Wagen bleibt in Pontresina auf dem Parkplatz, in dessen Parkautomaten wir nun schon ein Vermögen investiert haben. Zu Fuß mit Gepäck zum Biwakieren durch das herrliche Rosegtal. Wir sind zu viert, Christian und Barbara begleiten uns. Fast am Ende des Tales, vor dem Hotel Roseg, geht es nach links, Süden und über die ehemalige Gletschermoräne hinauf zur Tschierva Hütte. Diese lassen wir hinter uns und finden einen netten Platz zum Biwakieren, in den Felsen oberhalb der Hütte.
Anspruch:
Der Weg zur Fuorcla Prievlusa ist markiert mit leuchtenden Katzenaugen. Die Fuorcla ist über einen steilen Firnhang einfach zu erreichen. Ab der Scharte wird es felsig. Man folgt dem Grat oder geht leicht links (Bovalseite) von ihm bis in die kleine Einsattelung am Beginn des eigentlichen Schneegrates. Der Schneegrat ist tatsächlich diese vielbeschriebene Himmelsleiter. Diese bot uns Trittfirn und nur wenige blanke Stellen. Vom Gipfel des Piz Alv geht es ein Stück horizontal und abwärts zu den Felsen der Bernina. Diese sind fest und griffig aber ausgesetzt und schmal. Es sind Bohrhaken und Abseilstellen vorhanden. Am Turm wird nach links (Bovalseite, Ring) abgeseilt in die Scharte. Von dort geht es kombiniert und steil weiter zum schmalen Gipfel ohne Kreuz. Der Abstieg zur Marco e´Rosa Hütte ist immer noch schmal und bietet eine Abseilstelle im Fels.
Die Tour
Tag 1:
Nach dem üblichen Festmahl aus der Knorr-Edition ist frühes Schlafen angesagt. Barbara legte den Hüttenzustieg im Laufschritt zurück und wir “alten” Herren konnten uns nicht abhängen lassen. In der Nacht beginnt es stark zu Graupeln und Schneien. Ich packe gedanklich schon ein und steige mal wieder ab. Wir schlafen nicht mehr und warten auf den Wecker um 3:00, der uns erlösen soll. Es wird wieder trocken und wir gehen los bevor der Wirt die Karawane ins Rennen schickt. Es ist alles weit hier und es sind knapp 3 Stunden bis in die Fuorcla Prievlusa. Dort steht ein Zelt und wir sind etwas neidisch auf den Biwakplatz, mutig! Am Grat gehen wir im Fels in zweier Seilschaften am kurzen Seil und im Firn jeder für sich. Wir kommen schnell voran. Kurz vor der Scharte bleiben Christian und Barbara weit zurück und wir erfahren durch Zuruf, dass Barbara schlimme Knieschmerzen hat. Eine kurze Diskussion lässt nur ein Möglichkeit zu: Helikopter der Rega. Daniel und ich klettern weiter zum Gipfel, den wir wenig später erreichen. Der Abstieg kostet nochmals Konzentration ist aber in 1,5 Stunden erledigt und wir sind zur nächsten Nacht im Notraum der Marco e´ Rosa Hütte, die restlos voll ist. Netter Wirt dort!
Tag 2:
Wir hängen den zweithöchsten Berg des Gebietes recht mühelos dran. Piz Zupo, ein herrlicher Aussichtsberg, der uns den ganzen Festsaal der Alpen nochmals präsentiert. Wir sind früh gestartet und alleine am Gipfel. Die Querung der Bellavista Terrassen im Abstieg ist beeindruckend. Die Dimensionen sind gewaltig. Den Abzweig zum Fortezzagrat finden wir mühelos, hier haben wir heute gute Sicht. Jahre vorher standen wir hier schon einmal hier im Wettersturz und hatten alle Mühe an den einfachen Felsen der Fortezza. Wir verlieren rasch Höhe am Grat und erreichen die Felsen der Gamsfreiheit und den Gletscher. Ab hier ist es zähes, stoisches Gehen bis zur Station Morteratsch, wo Christian und Barbara schon auf uns warten.
Literatur: